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Gastro-Tipps

5 Tipps für den Umgang mit der Generation Millennial

Die Millennials, geboren zwischen 1980 und 2000, bilden eine der wichtigsten Zielgruppen in der Gastronomie – sowohl als Gast vor als auch als Mitarbeiter hinter dem Tresen. Wie „tickt“ diese Generation? Wie sehen Wünsche, Ansprüche und Werte aus? Und wie sprechen Gastronomen sie am besten an? Gastro-Blogger Jan-Peter Wulf hat 5 Tipps.

1. Millennials möchten Werte vorgelebt bekommen
Millennials lieben Menschen mit Leidenschaft. Und Passion erwarten sie auch von ihrem Chef: Wenn sie sehen, dass dieser für sein Konzept „brennt“, sich reinhängt, aktiv mitarbeitet und die Werte, die das Unternehmen ausmacht, vorlebt, dann wird aus Gebundenheit („das ist halt ein Job“) Verbundenheit („das ist mein Unternehmen“). Wie zeigt sich Leidenschaft? Zum Beispiel dadurch, dass der Chef sich nicht zu schade ist, im laufenden Betrieb mitzuarbeiten. Und bereit ist, Handgriffe und Kniffe nicht nur verbal zu kommunizieren, sondern durch Vormachen verständlich zu machen. Wenn er zeigt, dass er es selbst drauf hat, wird er glaubwürdig. Millennials wollen keine Anweisungen ausführen, sondern einen Coach an ihrer Seite, der sie fördert, verbessert und sie davor schützt, sich nicht zu blamieren, zum Beispiel vor dem Gast. Meckern und Motzen à la „Wie oft soll ich das denn noch erklären“ geht gar nicht mehr, ein belehrendes oder gar bestrafendes Chef-Modell hat ausgedient. Heute ist eine Führungsperson mehr denn je Sinngeber für seine Mitarbeiter! Werte lassen sich übrigens auch vermitteln, indem das Qualitätsbewusstsein des Hauses nicht beim Perso-Essen aufhört, die Dienstkleidung hochwertig und schick ist und es einen attraktiv gestalteten Rückzugsort für das Personal gibt. Große Firmen tun viel dafür, den Arbeitsplatz attraktiv zu gestalten, und Gleiches wünschen sich Millennials auch in der Gastronomie.

2. Millennials wollen unbedingt mitgestalten
Mitarbeiter mitgestalten zu lassen, fällt vielen Chefs nicht leicht. Millennials fordern es ein: Es handelt sich um eine Generation, die stark im Mitdiskutieren und im Vertreten eigener Standpunkte ist. Das zeigt sich im sicheren Umgang mit sozialen Medien, die keine „Lean-Back-Medien“ alter Zeiten sind, sondern von aktivem Mitmachen und Mitgestalten geprägt sind. Und so verhält es sich auch im betrieblichen Kontext: Millennials wollen mitreden dürfen. Sie wollen eigene Ideen einbringen, Neues ausprobieren und aktiv dazu beitragen, dass sich Prozesse und Abläufe im Betrieb verbessern. Warum? Weil sie – siehe Punkt 1 – selbst erfolgreich sein wollen. Dienst nach Vorschrift ist Millennials fremd. Was grundsätzlich nur zu begrüßen ist, denn natürlich profitiert ein Unternehmen von solch aktiver Mitarbeit. Weil Gastronomien aber keine Basisdemokratien sind, kommt es darauf an, die Wünsche nach Mitbestimmung und Mitgestaltung zu managen und zu führen. Zum Beispiel in „De-Briefing-Runden“, in denen der Chef (oder sein Betriebsleiter) keine Ansprachen hält, sondern seine Mitarbeiter fragt: „Was können wir besser machen?“ oder „Wie würdest du entscheiden?“. Wichtig ist, dass es nicht bei Absichtserklärungen bleibt: Verbesserungsvorschläge müssen auf Praxistauglichkeit getestet werden, Mitarbeiter sollten testweise neue Kompetenzen und Verantwortlichkeiten erhalten – nach dem Prinzip: „Du willst, dass wir es anders machen, dann zeig uns, wie du es machen würdest.“ Funktioniert es nicht, so hat der Mitarbeiter etwas gelernt. Funktioniert es, dann ist das Unternehmen wieder ein bisschen besser geworden.

3. Millennials wollen Work-Life-Balance
Die Gastronomie ist geprägt von Überstunden und besonders flexiblen Arbeitszeiten sowie von Wochenend- und Nachtarbeit. Das ist erstmal kein Problem: Millennials arbeiten gerne und zielorientiert. Aber sie leben nicht, um zu arbeiten. Sie wollen Zeit für ihr Privatleben haben und fordern diese, zum Beispiel bei der Gestaltung des Arbeitsvertrags, oft sehr selbstbewusst ein. Arbeitgeber, die Freiräume nicht gewähren, werden es immer schwerer haben, Mitarbeiter zu finden oder lange zu halten. Zu viele andere Branchen locken mit attraktiveren Bedingungen! Umso wichtiger ist es, Arbeitszeiten und -pläne so zu gestalten, dass für das Privatleben ausreichend Raum bleibt – nicht nur dann, wenn alle anderen arbeiten müssen. Individuelle Präferenzen sollten ebenfalls berücksichtigt werden: frei planbare Urlaubstage, Elternzeit-Garantie oder die Möglichkeit, eine unbezahlte berufliche Auszeit, ein „Sabbatical“, zu nehmen. Was nach einer Mammutaufgabe klingt, ist dank moderner, digitaler Schichtplanungs-Tools kein Ding der Unmöglichkeit: Statt starrer Schichtenvergabe und Papierchaos durch Schicht-Wunschzettel trägt hier jeder Mitarbeiter seine Arbeitszeitwünsche online ein. Bietet der Chef Flexibilität an, werden es ihm seinen Millennial-Mitarbeiter mit ebensolcher danken: Fällt ein Kollege aus, wird per Whatsapp-Gruppe schnell Ersatz gefunden – meist sogar ohne Zutun des Chefs. Was zugleich zeigt: Das Betriebsklima ist gut.

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Eine ausgeglichene Work-Life-Balance steht bei den Millennials oben auf der Liste.

4. Millennials schätzen Orte der Vernetzung und des Erfolgs
Welche Art von Gastronomie bevorzugen Millennials? Das ist allgemein natürlich schwer zu beantworten und hängt – wie in allen Zielgruppen und Generationen – stark vom individuellen Geschmack und von situativen Bedürfnissen ab. Was sich aber sagen lässt: Millennials schätzen Orte mit positiver Atmosphäre. Diese entsteht durch das Zusammenspiel vieler Dinge: durch freundliches und lockeres Personal, das den Millennial-Gästen auf Augenhöhe begegnet. Durch ein attraktives und abwechslungsreich gestaltetes Interieur mit Möglichkeiten zum Relaxen, zum Genießen, aber auch zum Arbeiten (z. B. am Laptop). Durch authentisches Design. Und vor allem: Durch inspirierendes Publikum, denn Millennials lieben Orte der Vernetzung und des Erfolgs. Treffen sie auf ihresgleichen, hat der Ort Community-Charakter und gibt er ihnen das gute Gefühl, sie in ihren Wünschen und Zielen nicht aufzuhalten, sondern weiterzubringen, dann wird ihre Wahl auf diesen Ort fallen. Was abstrakt klingt, konkretisiert und veranschaulicht ein regelmäßiger Besuch gastronomischer Orte, an denen sich Millennials gerne aufhalten.

5. Millennials sind Qualität und Authentizität wichtiger als Markenwelten
Früher war die junge, szenige Gastronomie von großen Leuchtreklamen, von Tischaufstellern und bekannten Getränke-Markenlogos auf der Karte geprägt. In modernen Konzepten sieht man solche Brandings nur noch selten. Dafür ist eine Vielzahl von kleinen, unabhängigen Produkten hinzugekommen, die gleichberechtigt neben den Klassikern stehen. Oder sie gar aus dem Programm verdrängt hat! Man denke nur an die Vielfalt im Bereich der Limonaden, der Gins oder an Craftbier, das sich immer häufiger zu den großen Bierklassikern ins Getränkesortiment hinzugesellt. Qualität (besonders guter Geschmack, hochwertige Zutaten) und Authentizität (ein glaubwürdiges, echtes, im Idealfall sogar fair hergestelltes Produkt) spielen für Millennials eine wichtige Rolle. Auch beim Food: Für eine höhere Qualität sind Millennials durchaus bereit, ein wenig mehr zu zahlen – wenn das Verhältnis zwischen Leistung und Preis stimmt, wobei hier Leistung an erster Stelle steht. Das bedeutet nicht, dass die großen „Consumer Brands“ ausgedient haben – aber statt pompöser Imagewelten sind heute Nähe zum Konsumenten und das Schaffen von Erlebnissen gefragt. Für Food- und Beverage-Marken ist das eine große Herausforderung. Für Gastronomie-Marken hingegen ist es das kleine Einmaleins – denn nah dran sein am Gast und ein Erlebnis bieten, das mussten sie eigentlich schon immer. Ein guter Gastgeber ist somit bestens auf Millennial-Wünsche eingestellt.

Sie möchten mehr über Millennials wissen? 3 Buchempfehlungen von Jan-Peter Wulf zum Thema:
„Future Service Sells“ von Hans-Jürgen Hartauer
Ansprache- und Verkaufstipps für die Millennial-Generation in Gastronomie und Hotellerie.
Erschienen im Matthaes Verlag 2014
„Schöne Meine Welt“ von Hermann H. Wala und Uwe H. Lebok
Analyse der Werte und des Markenverständnisses von Millennials.
Erschienen via epubli 2017
„Generationen zusammen führen“ von Daniela Eberhardt
Ideen zur Gestaltung der gemeinsamen Arbeitswelt von Millenials, Generation X und Babyboomern.
Erschienen bei Haufe Lexware 2015

Der Fachjournalist und Gastro-Blogger Jan-Peter Wulf berichtet regelmäßig an dieser Stelle aus der Gastronomie-Szene. Seine Themen sind Trends, Konzepte, Food und Getränke, die Menschen dahinter, alles, was sich auf dem Markt bewegt und für Gastgeber interessant ist. Jan-Peter Wulf lebt und arbeitet in Berlin.