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Gastro-Tipps

7 Tipps und Ideen für erfolgreiche Zusatzgeschäfte in der Gastronomie

Viele Gastronomien steigern ihren Umsatz mit Zusatzgeschäften von Catering bis Consulting. Worauf kommt es dabei an, was ist sinnvoll und was nicht? 7 Tipps und Ideen von Gastro-Blogger Jan-Peter Wulf.

1. Zusatzgeschäfte sollten aus dem Kerngeschäft entstehen
Selbstähnlichkeit ist das Stichwort: Ein Zusatzgeschäft sollte sich – für den Außenstehenden nachvollziehbar – aus dem Kerngeschäft ableiten, um glaub- und vertrauenswürdig zu sein. Simples Beispiel: Eine Gastronomie, die viele Gäste mit deutscher Küche bewirtet, ist befähigt, dieses auch außer Haus zu tun. Zum Beispiel als Partyservice, als Catering oder im Bespielen von externen Eventlocations mit typisch deutschen Speisen. Weiteres Beispiel: Ein beliebtes Produkt, es kann auch eine Zutat sein, etwa die hauseigene Würzmischung, lässt sich hübsch verpackt am Tresen, in Feinkostgeschäften oder per Onlineshop verkaufen.

2. Zusatzgeschäfte benötigen zusätzliches Know-how und zusätzliche Arbeitskraft
Bleiben wir beim Beispiel der Würzmischung: Wird diese im eigenen Geschäft, bei einem Feinkoster oder über den Onlineshop verkauft, muss Handels-Wissen vorhanden sein oder eingekauft werden. Und es braucht zusätzliche Zeit: Für Lagerhaltung, Logistik, Vorschriften, Reklamationsmanagement und Co. bedarf es einer Kapazitätseinplanung für Mitarbeiter, die dieses Zusatzgeschäft betreuen sollen. Im laufenden (vollen) Gastronomiebetrieb kann es schnell zu Problemen in den Abläufen führen, wenn sich Servicemitarbeiter nebenbei um das Verkaufen und Verpacken der Gewürze kümmern müssen.

3. Zusatzgeschäfte brauchen mittelfristig eine eigene Darstellungsform
Je eigenständiger das Zusatzgeschäft wird, je mehr es zum autonomen Profitcenter im Gefüge des Unternehmens wird, desto wichtiger ist es, dieses Geschäft auch ausgegliedert darzustellen. Die Partyservice- und Catering-Dienstleistung sollte losgelöst von der Gastronomie auf einer eigenen Webseite, mit eigenen Flyern und mit separaten Einträgen in Branchenportalen präsentiert und beworben werden. Und die Würzmischung benötigt einen eigenen Namen, ein attraktives Packaging sowie ebenfalls einen separaten Web-Auftritt. Beides auf Unterseiten der Restaurant-Webseite zu „verstecken“, ist nicht zielführend und nutzt das Potenzial nicht aus. Übrigens: Auch der Chef bzw. der Chefkoch lässt sich mit einem eigenen Auftritt besser vermarkten. Siehe Punkt 4.

4. Zusatzgeschäft Consulting und Training
Auch auf Business-to-Business-Ebene können Gastronomen und Köche attraktive Zusatzgeschäfte erzielen – als Berater und als Trainer für Küche, Service und Co. Mit ihrer oft langjährigen Erfahrung in den Bereichen Konzept, Teamführung, Warenwirtschaft, Küchenplanung, Preisgestaltung und vielen weiteren Teilaspekten der Gastronomie sind sie bares Geld wert. Ihre Expertise ist für Kollegen, die vor der Eröffnung oder einer Veränderung stehen, sehr hilfreich. Wer ein guter Redner ist: Referenten für Vorträge oder Workshops zu Branchenthemen auf Fachevents und Messen werden immer gesucht. In beiden Fällen winken nicht nur attraktive Tagessätze, man kommt auch raus aus dem eigenen Betrieb und knüpft neue Kontakte.

5. Zusatzgeschäft Küchenvermietung
Eine bislang viel zu selten genutzte Möglichkeit, auf B2B-Ebene ein Zusatzgeschäft zu machen: die eigene Küche vermieten. Denn wird sie erst ab dem Mittag benutzt, weil es ausschließlich Abendgeschäft gibt, oder bleibt sie am Ruhetag ganz und gar kalt, ist sie totes Kapital. Das „Airbnb-Prinzip“ lässt sich auf den gewerblichen Bereich übertragen: Viele kleine Foodproduzenten suchen nach Räumen auf Stundenbasis, in denen sie ihre Produkte herstellen können – denn sie sind gesetzlich dazu verpflichtet, es in einer Profiküche zu tun und können sich oft noch keine eigene Küche leisten. Mit Vermietung lässt sich ein attraktives Zusatzeinkommen erzielen.

6. Zusatzgeschäft Streetfood
Viele der in Punkt 5 genannten kleinen Foodproduzenten nutzen Streetfood-Märkte, um mit verhältnismäßig kleiner Investition Sicherheit in der Zubereitung von Speisen zu gewinnen, um Abläufe zu trainieren und um dann eine Restaurantgründung anzuvisieren.Warum nicht den Spieß umdrehen? Restaurants können ihre Food-Kompetenz auch auf solchen Märkten und Events unter Beweis stellen, ein kleines Zusatzgeschäft aufbauen und ein neues Publikum ansprechen – das im Idealfall dann den Weg ins Restaurant findet. Wichtig hierbei ist, dass die Speisenauswahl radikal eingeschränkt und auf ihre Handlichkeit überprüft wird. Gegebenenfalls sollte das Produkt, für das ein Haus bekannt ist, für den Foodmarkt angepasst werden. Beispiel: Ein Schnitzel, das im Restaurant weit über den Teller ragt, lässt sich in Form eines kunstvoll gedrehten Schnitzel-Spießes im Kuppelbecher oder einer Schale aus Bambus anbieten.

7. Zusatzgeschäfte sollten Zusatzgeschäfte bleiben
Trotz aller Möglichkeiten, die Zusatzgeschäfte bieten: Eingrenzung ist wichtig. Zu viele Baustellen und Nebenkriegsschauplätze können dazu führen, dass das Kerngeschäft aus dem Fokus gerät und schlimmstenfalls vernachlässigt wird. Im Zentrum sollten weiterhin die eigene Gastronomie und die Gäste darin stehen. Sollte sich jedoch herausstellen, dass ein Zusatzgeschäft so floriert, dass es zum Hauptgeschäft wird, dann allerdings müssen die Weichen entsprechend gestellt werden – durch Aufstocken des Personals und durch eine komplette Neuaufstellung des Unternehmens.

Der Fachjournalist und Gastro-Blogger Jan-Peter Wulf berichtet regelmäßig an dieser Stelle aus der Gastronomie-Szene. Seine Themen sind Trends, Konzepte, Food und Getränke, die Menschen dahinter, alles, was sich auf dem Markt bewegt und für Gastgeber interessant ist. Jan-Peter Wulf lebt und arbeitet in Berlin.