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Design

Ruhe bitte! Raumakustik – die große Unbekannte

Als Lärm empfundene Geräusche sind eine Belastung, lösen Stress aus und wirken sich im schlimmsten Falle negativ auf die Gesundheit aus. Das ist durch verschiedene Studien belegt und gilt im Arbeitsleben ebenso wie in der Freizeit. Dennoch wird dem Thema Raumakustik bei der Planung von gastronomischen Einrichtungen und Hotels – ganz im Gegensatz zum Design – bislang wenig Beachtung geschenkt. Dabei ergeben sich durch eine Investition in diesen zwar nicht sichtbaren, aber unterschwellig spürbaren Aspekt der Raumplanung durchaus Vorteile.

Der Lombard-Effekt

Das hat jeder schon einmal erlebt: Man geht in ein angesagtes und daher gut besuchtes Restaurant und möchte sich beim Essen oder Glas Wein in Ruhe mit seinem Gegenüber unterhalten. Doch statt gepflegter Kommunikation muss man zunehmend gegen eine Geräuschkulisse „anschreien“, was von den meisten Menschen als anstrengend und stressig empfunden wird. „Ist ein Raum hallig und laut, muss man laut reden. Da das die anderen auch tun, schaukelt sich die Situation immer weiter auf. Man nennt das den Lombard-Effekt“, erklärt Juergen Mendel, Mitinhaber von Akustik und Raum in Landsberg. Der Sprecher erhöht dabei nicht nur die Lautstärke, sondern auch die Tonhöhe seiner Stimmlage, da sich hohe Frequenzen besser gegen Störschall durchsetzen als tiefe. Das ist nicht nur für die Gäste unangenehm, sondern vor allem auch für das Servicepersonal, das regelmäßig über mehrere Stunden dem Lärm ausgesetzt ist und nicht einfach gehen kann, wenn es genug hat.

Mehrfachnutzung von Kantinen

Erkannt hat man die Problematik bereits in Büros und in der Betriebsgastronomie. Da sich die Mitarbeiter in der Mittagspause erholen sollen, um leistungsfähig zu bleiben, achten Arbeitgeber zunehmend auf die akustische Qualität in den Kantinen und lassen diese gegebenepresse-bild-fuer-akustik-blog-beitrag-kantine-akustik-und-raumnfalls entsprechend nachrüsten. Betrachtet man eine solche Maßnahme gerade in Großstädten unter dem Aspekt der Flächenökonomie – eine Kantine steht den größten Teil des Tages leer – lässt sich so zudem eine Mehrfachnutzung erzielen. Juergen Mendel: „Ein akustisch erschlossener Raum kann gut für Besprechungen genutzt werden.“ Für diesen Zweck lassen sich beispielsweise schallabsorbierende Projektionsflächen für Beamer integrieren.

Nun beschweren sich die wenigsten Gäste in einem Lokal tatsächlich über die akustische Qualität. Fühlen sie sich sehr gestört, werden sie das Lokal eventuell künftig meiden oder – falls das gute Essen und das Ambiente den negativen akustischen Eindruck wettmachen – die Geräuschkulisse als gegeben hinnehmen. Bei der Beurteilung spielt auch die Zielgruppe eine Rolle. Junge Menschen fühlen sich von lauter Musik und einem hohen Lärmpegel selten gestört. Fokussiert man allerdings eine ältere und solvente Zielgruppe, die entsprechend konsumiert, ist eine akustische Optimierung der Räumlichkeit durchaus überlegenswert. Je älter der Mensch und je schlechter das Gehör, desto anstrengender wird es, einem Tischgespräch in einem lauten und „halligen“ Restaurant zu folgen. „Bei uns können Sie sich in Ruhe unterhalten“ könnte ein Werbeslogan sein, mit dem man die Generation 50+ anlockt. Akustikexperte Juergen Mendel: „Das wird zwar bislang meines Wissens nicht gemacht, aber warum die akustische Qualität nicht gezielt im Internet bewerben, wenn man in sie investiert hat.“

Für jeden Raum die passende optische Lösung

Dabei wird die optische Qualität von Räumen durch eine akustische Ertüchtigung – so der Fachbegriff – keineswegs beeinträchtigt. Ganz im Gegenteil: Von einer kaum sichtbaren, aber akustisch wirksamen Spanndecke über Deckensegel und Wandabsorber bis hin zu Akustikbildernpresse-bild-fuer-akustik-blog-beitrag-akustikbild-akustik-und-raum und echtholzfurnierten Wandverkleidungen gibt es für jeden Raum die passende optische Lösung. Hinter akustisch wirksamen Wand- und Deckenabsorbern lassen sich weniger schöne Dinge verbergen. Die Bespannungen können zudem mit beliebigen Motiven bedruckt werden – von der Stadtansicht über Logos und Foodmotiven bis hin zur großformatigen Kunst. In Kombination mit Lichtleisten und LED-Bändern, die hinter den Absorbern installiert werden, entstehen ebenfalls interessante Effekte. Außerdem können Räume unsichtbar beschallt werden, indem Lautsprecher in Wandabsorber integriert werden. So werden störende Geräusche geschluckt und zugleich eine angenehme Hintergrundmusik im Raum verbreitet. Auch die Zonierung ist in der Gastronomie ein Thema: Statt den üblichen Pflanzkästen oder Trennwänden kann mit farbigen oder bedruckten Pendelabsorbern, die von der Decke hängen, eine Unterteilung großer Räume in einzelne Sitzgruppen und Nischen erfolgen. Der Akustikexperte: „So wird Schallausbreitung verhindert; zugleich fungieren die Absorber als Sichtschutz und vermitteln den Gästen ein Gefühl der Intimität.“

Eine nachträgliche akustische Ertüchtigung von Räumen ist möglich, aber immer mit Kompromissen verbunden, wie der Inhaber von Akustik und Raum aus Erfahrung weiß. „Besser ist es, die Raumakustik bereits bei der Planung eines Lokals oder einer Betriebsgastronomie zu berücksichtigen. Auf jeden Fall sollte man einen Profi heranziehen, der den Raum analysiert, die Nachhallzeit misst und dann eine maßgeschneiderte Lösung ausarbeitet.“

Kirsten Posautz; Fotos: Akustik und Raum OHG