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Gastro-Tipps

Verzicht auf Plastiktrinkhalme – Pflicht oder Kür?

Wenn vom „Strohhalm“ die Rede ist, sind meist Trinkhalme aus Plastik gemeint ­– von Stroh in der Regel keine Spur. Jetzt erlebt das Material, dem der Halm seinen Namen verdankt, allerdings ein Revival. Und es gibt zahlreiche weitere Alternativen zum Plastik, die das Trinken mit „Röhrchen“ zum umweltfreundlichen Vergnügen machen. 

Die Tage des Plastikhalms scheinen gezählt. Vielleicht lag es an dem im Web kursierenden Video der Schildkröte, der ein Plastiktrinkhalm aus der blutigen Nase ragt: Das bunte Plastikröhrchen, mit dem Getränke vom Glas in den Mund geraten können, aber nicht müssen, steht stellvertretend für die weltweite Produktion von Plastikmüll. Einmal benutzt und – schwupps  –  ab in die Tonne! Das Thema Plastikmüllvermeidung ist ein Dauerbrenner. Im Gespräch ist ein EU-weites Verbot von bestimmten Einweg-Kunststoffen, für die es keine leicht verfügbare Alternative gibt, darunter Einweg-Plastikgeschirr und Trinkhalme aus Plastik. Spätestens dann wird es ernst.

Auch wenn der Halm nur die Spitze des Plastik-Eisbergs ist – der Verbrauch von geschätzten rund 4,8 Mrd. Trinkhalmen pro Jahr in Deutschland (statista.com) ist wahrlich kein Pappenstiel. Umweltorganisationen wie die amerikanische Lonely Whale Foundation haben Trinkhalmen aus Kunststoff regelrecht den Kampf angesagt – unter anderem mit der aufmerksamkeitsstarken Initiative #Stopsucking (www.strawlessocean.org).

Die Stopsucking-Aktion rät im Prinzip zum völligen Verzicht – Trinken statt Saugen heißt die Devise –  zeigt aber auch einige Alternativen zum Plastikhalm auf. Unabhängig von groß angelegten Kampagnen können Gastronomen und Hoteliers ihrerseits positive Zeichen setzen, indem sie umweltfreundliche Produkte für ihren Betrieb auswählen, darauf hinweisen und den Gästen damit signalisieren: Wir nehmen das Thema ernst. Der Halm ist nur eine Kleinigkeit, könnte aber ein erster Schritt hin zur sukzessiven „Abrüstung“ von Einwegartikeln sein.

Alternativen zum Plastikhalm gibt es viele, angefangen von Bioplastik aus Polylactid (PLA) (www.papstar.de) über Stroh und Papier bis hin zu wiederverwendbaren und spülmaschinenfesten Halmen aus Metall (z.B. www.cocktailian.de) oder Glas (www.halm.co/de/). Letztere sind zugleich als Stirrer für Cocktails verwendbar. Weniger clean, dafür aber umso exotischer muten Bambus-Strohhalme an (www.bambusstrohhalme.de). Und die BIO Strohhalme GmbH aus Zolling/Bayern hat neben anderen zu 100 Prozent biologischen Alternativen den kompostierbaren BIO POT-Halm aus Zucker-, Mais- oder Kartoffelstärke plus Fasern entwickelt (www.bio-strohhalme.com).

pressebild-fuer-blog-beitrag-strohhalme-plastik-wisefood-superhalm-apfeltresterEine Neuentwicklung sind auch essbare Strohhalme auf Fruchtbasis. Das Unternehmen Wisefood (www.wisefood.de) hat den sogenannten Superhalm aus Apfeltrester im Sortiment. Der soll 60 Minuten im Getränk stabil bleiben und kann dann rückstandslos weggeknabbert werden. Ebenfalls zum Verzehr geeignet sind Trinkhalme aus Weizen (https://sunnypipe.com/), die in Zusammenhang mit der Kette Sausalitos als „Nudeltrinkhalme“ durch die Presse gegangen sind. Sie sollen in Kaltgetränken knapp eine Stunde formstabil bleiben.

Stabilität im Getränk, Reinigung bei wiederverwendbaren Artikeln sowie Hygiene und natürlich die Kosten pro Halm sind Aspekte, die es abzuwägen gilt. Nicht jede Alternative zum Plastikhalm passt auch zum Einsatz im eigenen Betrieb. Papiertrinkhalme sind beispielsweise von Haus aus nicht so stabil, weichen nach einer Zeit auf und sind nicht für Heißgetränke geeignet. Beim Material Bambus ist die Reinigung aufwendiger und somit zeitintensiver als bei Glas oder Metall, die auch in die Spülmaschine dürfen.

Und wenn man mal über den kleinen Strohhalm hinausblickt? Dann gibt es viele Ansatzpunkte für die Vermeidung von unnötigem Plastikmüll. Schon heute haben einige renommierte Hotel- und Kaffeehausketten sowie Lieferservices angekündigt, künftig auf Plastik-Einwegprodukte zu verzichten. Beim Catering werden statt Plastikgeschirr häufig schon Teller aus Zuckerrohr oder Palmblatt, Holzbestecke statt Plastikbesteck und Naturkork-Untersetzer anstelle von Servietten eingesetzt. Und für ToGo-Becher – ebenfalls wegen der massenhaften Verwendung ein wichtiges Thema – gibt es mittlerweile Tauschsysteme.

Kirsten Posautz

Fotos: wu yi/unsplash, wisefood / Superhalm