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Gastro-Tipps

5 Ideen für eine kinderfreundlichere Gastronomie

Wer die Bedürfnisse der kleinen Gäste in seinem gastronomischen Konzept berücksichtigt, punktet. Denn damit wird indirekt die familiäre Entscheidung, in welches Restaurant es zum Essen geht, beeinflusst – nämlich häufig dahin, wo sich die Kids am wohlsten fühlen. Gastro-Blogger Jan-Peter Wulf hat 5 Ideen für eine kinder- und familienfreundlichere Gastronomie.

1. Eine Begehung mit der Zielgruppe machen 

Gegen Betriebsblindheit hilft der Blick von außen, und in diesem Falle ist das der Blick aus Kinderaugen. Denn sie schauen ganz anders auf das gastronomische Interieur, als es Erwachsene tun – allein schon wegen der geringeren Körpergröße und damit anderen Perspektive, aber auch, weil sie andere Prioritäten haben. Hierbei geht es noch nicht um zusätzliche Services für Kids, sondern erst einmal „nur“ um den Standard. Wie wirkt das Ensemble des Gastraums auf die Kleinen? Einladend, spannend, irritierend? Was ist gut, was fehlt? Kommen sie mit dem Mobiliar, mit Sitzhöhen und Abständen zum Tisch klar? Sind Loungesitze oder Hightops für sie ein Vor- oder ein Nachteil? Wie sieht es mit der Tableware aus – lassen sich Gläser sitzend problemlos zum Mund führen oder ist das Apfelschorle-Malheur programmiert? Und wie sieht’s im WC aus, besonders im Stehbereich bei den Jungs? Hier sollten Gastronomen die eigenen Kids um ihre (unverblümte) Meinung bitten oder auch den Nachwuchs von Mitarbeitern, Freunden und Stammgästen einbinden.

2. Ergebnisse sammeln, auswerten und Änderungen vornehmen

Im Anschluss an solch eine Begehung – die man übrigens turnusmäßig immer wieder machen sollte –, weiß der Gastronom, ob etwas fehlt. Viele Betriebe haben zwar für Babys und Kleinstkinder einen Hoch- oder Kindersitz parat. Doch etwas größere Kinder (2 bis 4 Jahre) sitzen sprichwörtlich zwischen allen Stühlen: Sie sind zu groß für solche Lösungen und noch zu klein für das reguläre Sitzmöbel. Ob der Betrieb zum Beispiel Sitzauflagen, praktischere Gläser (Trinkwinkel bedenken!) oder einen kleinen Trittschemel benötigt, mit dem auch ein kleiner Mann das Pissoir nutzen kann – das ergibt eine gemeinsame Begehung. Oder vielleicht eine kleine „Treppe zum Glück“, mit der auch kleine Gäste das Vitrinen-Angebot mit Eis, Kuchen und Co. einsehen und entdecken können? Sie wirkt sich zweifellos positiv auf den Kaufentscheid und die entsprechende Weiterleitung der Bestellung an die zahlenden Eltern aus.

3. Aufenthaltszeit aus „kleiner“ Perspektive analysieren

Punkt eins und zwei betreffen den Faktor Raum, doch nicht minder wichtig ist der Faktor Zeit. Auch hier lohnt wieder der Blick aus presse-bild-fuer-blog-beitrag-kinderfreundliche-gastronomie-kind-maltKindersicht: Während die Großen die Zeit zwischen der Bestellung und Ankunft der Speisen für Gespräche nutzen wollen – für rare „quality time“, ist diese Spanne für die Kleinen oft eine sprichwörtliche Durststrecke. Werden die Bedürfnisse von Groß und Klein nicht in Einklang gebracht, entsteht eine Lose-Lose-Situation. Eine Win-Win-Situation hingegen entsteht, wenn es am Tisch etwas zu tun gibt: Aktivitäten wie Ausmalen, Rätsel lösen, Bücher angucken sind bei fast allen Kindern beliebt und nicht störend für andere Gäste. Die Getränke für die Kleinen sollten zügig gebracht werden und auch die bestellten Speisen für sie zuerst kommen. Denn erscheint alles gleichzeitig, müssen automatisch die Eltern zurückstecken und essen im Zweifelsfall kalt. Weißbrot, Öl und Essig vorweg sprechen Kinder selten an, schon eher ein Glas mit Brot- Karotten- oder Gurkenstangen zum Knabbern. Nach dem Essen wollen viele kleine Gäste am liebsten rasch aufbrechen. Hier ist eine ebenso rasche Abrechnung des Tisches durch den Service gefragt.

4. Kinderfreundliche Speisen anbieten

Nudeln mit Tomatensauce, Pommes mit Ketchup,Fischstäbchen bzw. Hähnchen-Nuggets – das speziell für Kinder konzipierte Angebot ist oft ein Bild der Einpresse-bild-fuer-blog-beitrag-kinderfreundliche-gastronomie-bild-gemuese-dipfallslosigkeit. Wie wäre es stattdessen mit gesunden Gemüse-Pommes aus dem Airfryer mit hausgemachten Dips? Oder frischen, mit Lebensmittelfarbe aus echten Früchten und Gemüsen gefärbten Nudeln? Oder gar einem Kochkurs für die Kleinen, der ihnen die Speisen des Hauses und die Herkunft der Zutaten nahebringt? Kinder sind entdeckungsfreudiger, als man denkt – und attraktive Fotos in der Karte unterstützen sie bei der Wahl. Der gute alte „Räuberteller“ muss nicht immer komplett kostenlos an den Tisch kommen: Mit kidsgerechter Garnitur versehen, darf gerne ein kleines Entgelt für ihn genommen werden.

5. Kinderfreundlichkeit clever vermarkten

Familien essen früh im Restaurant, früher als die meisten Gäste ohne Kinderbegleitung. Das bedeutet: Ein Tisch lässt sich, wenn er speziell an Familien vermarktet wird, einmal mehr pro Abend umschlagen. Etwa, indem auf der Webseite, in den Social-Media-Kanälen und im Restaurant auf das „Family Dinner“ (z.B. von 17.30 bis 19.00 Uhr) hingewiesen wird – verbunden beispielsweise mit einer Überraschung oder einem speziellen Menü-Angebot. Und auch für Walk-ins mit Kindern lassen sich reservierte Tische nutzen: Einfach mal die Perspektive wechseln und statt „reserviert ab 19.30 Uhr“ eine Karte drauflegen, auf der „dieser Tisch ist bis 19.30 für Sie frei!“ steht. Gleicher Sachverhalt, komplett andere Aussage: Einladung statt Einschränkung. Last but not least: Das virale Marketing ist nicht zu unterschätzen. Wer kinder- und familienfreundlich ist, wird wärmstens weiterempfohlen!

Fotos: Koru Kids, Alexander Dummer/unsplash, Alexandra Andersson/unsplash

Der Fachjournalist und Gastro-Blogger Jan-Peter Wulf berichtet regelmäßig an dieser Stelle aus der Gastronomie-Szene. Seine Themen sind Trends, Konzepte, Food und Getränke, die Menschen dahinter, alles, was sich auf dem Markt bewegt und für Gastgeber interessant ist. Jan-Peter Wulf lebt und arbeitet in Berlin.