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Gastro-Tipps

7 Tipps für das Storytelling in der Gastronomie

Menschen lieben Geschichten – das gilt auch für den Bereich der Gastronomie. Das Storytelling bietet Gastronomen die Möglichkeit, ihr Konzept individuell zu positionieren und zu kommunizieren. Wie das funktioniert, erklärt Gastro-Blogger Jan-Peter Wulf.

1. Die Story ist von Anfang an Teil des Konzepts

Schon bei der Planung einer Gastronomie sollte das Storytelling nicht nur mitbedacht, sondern ins Zentrum der Überlegungen gestellt werden: Was möchte ich meinen Gästen „erzählen“? Welche Idee verbirgt sich hinter meinem Konzept? Welche inneren Bilder möchte ich in den Köpfen der Gäste erzeugen? Mit verschiedensten Mitteln – wie Fotocollagen, Selbstgemaltem, Skizzen oder Texten – lässt sich ein kreatives Grundkonzept für die Geschichte bauen.

2. Basis der Story: Ort, Person oder Produkt

Die Basis der Story kann vieles sein: die Historie des Hauses etwa oder eine Bezugnahme auf den Stadtteil bzw. die Region. Es kann aber auch eine bestimmte Person – wie ein Künstler, eine Figur der Zeitgeschichte oder die kulinarisch versierte Großmutter des Gastgebers – sein. Ebenso ist ein spezifisches Produkt denkbar, das im Zentrum des Foodkonzepts steht – zum Beispiel hawaiianische Poké-Bowls oder Eierspeisen. So lässt sich sowohl mit dem Ort als auch mit Persönlichkeiten und Produkten eine Story entwickeln.

3. Storys brauchen einen echten Kern

Authentizität ist ein vielbemühtes Wort, wenn es um das Storytelling in der Gastronomie geht – und das nicht ohne Grund. Denn jede Story braucht einen echten und glaubwürdigen Kern, damit sich Gäste nicht an der Nase herumgeführt fühlen bzw. dem Gastgeber die Story nicht abkaufen. Wird – siehe Punkt 2 – die Story aus dem Ort heraus entwickelt, dann sollte es faktisch belegbare historische Bezugspunkte geben. Dies trifft ebenso auf Personen zu; bei Produkten entsteht die Echtheit durch die Qualität und Kenntnis des „Originalgeschmacks“. Wenn Gäste sagen, die Poké schmeckt wie auf Hawaii oder in Kalifornien, oder das „Egg Benedict“ lässt von New York träumen, dann erzählt das Produkt die Story authentisch.

4. Storys dürfen ausgeschmückt werden

Die Storys der Geschichtenerzähler („Storyteller“), die einst in den US-Südstaaten ihr Publikum in den Bann zogen, hatten einen wahren Kern (siehe Punkt 3) und zugleich wurden sie dramatisch angereichert und ausgedehnt. Im Film heißt das „nach einer wahren Begebenheit“. Das ist beim Storytelling in der Gastronomie ebenfalls erlaubt und ratsam: von kleinen Anekdoten, die sich so zugetragen haben sollen bis hin zu extravaganten Dekorationselementen können viele Stilmittel den Kern der Story ausschmücken. Beispiel Poké/Hawaii: der bunte Tiki-Style, der mit Hawaii und der Südsee assoziiert wird, ist eine Bastelei aus echten historischen Elementen und kreativer Künstlichkeit.

5. Storys lassen sich auf unterschiedliche Weise erzählen

Das Schöne am Storytelling in der Gastronomie ist, dass sich die jeweilige Geschichte auf unterschiedliche Weise erzählen lässt: vom informativen Text in der Speisekarte über Fotos und Bilder bis hin zu besonderen, stilechten Einrichtungsgegenständen, die ebenfalls die Geschichte des Hauses erzählen. Das können Fundstücke sein, die beim Renovieren wiederentdeckt wurden, Mitbringsel oder auch – etwas abstrakter – zum Thema passende Formen und Farben im Design. Über die Webseite und Social-Media-Kanäle lassen sich ebenfalls Teile der Story erzählen und darstellen. Und natürlich sollten auch die Speisen und Getränke ihren Teil zur Geschichte beitragen.

6. Alle Mitarbeiter müssen die Story kennen und erzählen können

„Wer ist die Person auf dem Bild dort vorne?“ Stellt ein Gast diese berechtigte Frage, dann sollten alle Mitarbeiter – ob im Service oder in der Küche – eine passende Antwort darauf geben können. Sprich: Alle Mitarbeiter müssen die Story des Betriebs kennen, verstehen und erzählen können. Darum ist es wichtig, dass neue Mitarbeiter beim Onboarding in die Geschichte bzw. Story eingeführt werden.

7. Storys müssen anschlussfähig und dürfen nicht überladen sein

Die besten Storys sind solche, die Gäste ihren Freunden und Bekannten weitererzählen. Das funktioniert dann gut, wenn die Geschichten nicht zu komplex sind. Oft sind es auch eher die kleinen Details, von denen berichtet wird, zum Beispiel ein kurioser Gegenstand oder vielleicht Vogelgezwitscher vom Band im WC-Bereich, wenn Thema des Hauses die regionale Natur ist. Zudem kann eine Story, wenn sie sich zu sehr aufdrängt, den Gast stören: Zentrum seines Besuches ist und bleibt es, gut zu essen und zu trinken und einen angenehmen Aufenthalt zu haben. Gutes Storytelling bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen Präsenz und Zurückhaltung.

Der Fachjournalist und Gastro-Blogger Jan-Peter Wulf berichtet regelmäßig an dieser Stelle aus der Gastronomie-Szene. Seine Themen sind Trends, Konzepte, Food und Getränke, die Menschen dahinter, alles, was sich auf dem Markt bewegt und für Gastgeber interessant ist. Jan-Peter Wulf lebt und arbeitet in Berlin.